Das Diak:
Aktuelles
„Die Diak-Behindertenhilfe bewegt“ - 110 Jahre Diak-Behindertenhilfe und 30 Jahre Schöneck
Muckenbatscher zusammenstecken in Wilhelmsglück (um 1970) – hinten Schwester Maria Zimmermann
Sportfest am 30.06.2010
Anlass zum Feiern gibt es in der Diak-Behindertenhilfe Schwäbisch Hall: Seit 110 Jahren leben im Evang. Diakoniewerk Menschen mit Behinderung, und seit 30 Jahren besteht das Schöneck. Dieses Doppeljubiläum wird mit dem Sommerfest am 4. Juli unter dem Motto „Diak-Behindertenhilfe bewegt“ gefeiert. Die Jubiläumswoche startete mit viel Bewegung beim Sportfest für Menschen mit Behinderungen aus dem Schöneck und befreundeten Einrichtungen am Mittwoch. „Nicht nur die Menschen sind in Bewegung, auch die Weiterentwicklung unserer Wohn- und Betreuungsangebote bewegt sich “, sagt Renate Fischer. Sie ist Bereichsleiterin der Diak-Behindertenhilfe, die derzeit 181 Plätze für erwachsene Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung an vier Standorten umfasst. „Wir bieten bereits unterschiedliche Wohnformen und wollen das Angebot noch weiter differenzieren. Unser Anspruch ist es, individuelle an den Bedürfnissen orientierte Hilfen für Menschen mit Behinderungen anzubieten. Das Schöneck mit seinen 110 Plätzen ist ein Ort, der in familiären Wohngruppen und verschiedenen Tagesfördergruppen Geborgenheit und Orientierung gibt. Das überschaubare Umfeld ermöglicht auch schwer behinderten Bewohnern große Bewegungsfreiräume. Für Senioren gibt es tagesstrukturierende Angebote. 1987 kam ein Wohnhaus im Vogelsang und 1992 ein Mehrfamilienhaus in der Stauferstraße hinzu, in denen Menschen selbständiger im Stadtteil leben können. Mit der Behindertenhilfe Vellberg wurde 2002 eine moderne Einrichtung mit 42 vollstationären Plätzen, zwei Kurzzeitpflegeplätzen und einer Tagesförderstätte eröffnet. Die Einrichtung ist sehr gut in die kleine Gemeinde integriert. Für alle Bewohner gestaltet zudem ein Freizeitteam ein attraktives Programm – wie zum Beispiel das Sportfest.
Das Jubiläums-Motto „Diak-Behindertenhilfe bewegt“ gilt auch für die bewegte und bewegende 110-jährige Geschichte: Am 1. Mai 1900 zogen die ersten Frauen mit Behinderung in die damalige Diakonissenanstalt ein, die 1886 gegründet worden war. Die Nachfrage war so hoch, dass im Jahr 1912 das heutige Gottlob-Weißer-Haus eröffnet wurde. Das Haus füllte sich rasch, es lebten weit über 500 Bewohner dort. 1933 wurden im neu erworbenen Rollhof zusätzliche Plätze geschaffen. Einen schrecklichen und tiefen Einschnitt erlebte die Diak-Behindertenhilfe im November 1940, als im Rahmen der Euthanasieaktion der Nationalsozialisten das Gottlob-Weißer-Haus beschlagnahmt wurde. 273 Bewohner wurden in andere Einrichtungen verlegt, 265 konnten im Stammhaus, im Rollhof und in Wilhelmsglück weiter betreut werden.
Ab den 1970er Jahren entwickelte das Diak eine Neukonzeption für die Behindertenhilfe. Am 17. März 1980 zogen die ersten Menschen mit Behinderung ins neu erbaute „Heim Schöneck“ im Wohngebiet Teurershof, das von Schwester Maria Zimmermann geleitet wurde. Einige Bewohner und Mitarbeiter sind seit der „ersten Stunde“ dabei und erinnern sich, wie großzügig und aufregend-neu alles war: „Wir waren davor im Haushalt oder in der Landwirtschaft tätig, wir strickten, knüpften und steckten Muckenbatscher zusammen. Einmal im Jahr machten wir einen großen Ausflug mit einem Bus“ erzählt Doris Gaupp. „Und nun waren wir plötzlich eingebunden in die nahe gelegene Siedlung.“ Sie selbst absolvierte bei der Volkshochschule ein Bustraining, um mehr Selbständigkeit zu erlangen.
In den letzten 30 Jahren hat sich vieles bewegt. „Die Behindertenhilfe hat sich gewandelt von einer fürsorglichen Betreuung hin zu individuellen und passgenauen Angeboten für die Bewohner“, stellt Renate Fischer fest. „Die Einrichtung wird jünger, da zunehmend jüngere Erwachsene, häufig mit einer schweren oder mehrfachen Behinderung, nach einem Wohn- und Betreuungsplatz anfragen. Unsere Plätze in der Tagesförderstätte im Schöneck reichen nicht mehr aus, Wir wollen deshalb eine neue Tagesförderstätte bauen.“
Auch in Zukunft wird es also viel Bewegung geben.


