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Ausstellung AOK Hohenlohekreis 2011

„Augensterne“ der Künstlergruppe tausendgrün im Kundencenter der AOK Künzelsau

 Im Kundencenter der AOK Künzelsau schmücken derzeit farbenfrohe und ausdrucksstarke Bilder die Wände des ganzen Hauses. Die Künstlergruppe „tausendgrün“ der Diak-Behindertenhilfe in Schwäbisch Hall stellt dort unter dem Thema „Augensterne“ 60 Bilder aus. Am vergangenen Freitag, 8. April, wurde die Ausstellung im Rahmen des 125-jährigen Jubiläumsprogramms des Diaks eröffnet. Von den 28 Künstlern, die die Ausstellung bestückt haben, waren viele anwesend und freuten sich gemeinsam mit den Gästen an der gelungenen Präsentation der Werke. Gleich im Eingangsbereich hängt das Bild „Traumfarbe“ von Christine Brech in Guache auf Papier gemalt, in dem ein Stern zu entdecken ist. Ob er wohl der Augenstern ist, nach dem die Ausstellung benannt ist? Großformatige Bilder an den Balkonen fallen dem Besucher sofort ins Auge, etwa die „Lebkuchenherzen“ von Renate Pfähler, die ein fröhliches Muster bilden. Auf dem Weg durch die Ausstellung kommt der Besucher auch in Flure, in denen kleinere Malereien und Zeichnungen zu entdecken sind, teils mit figürlichen oder mit abstrakten Motiven, teils mit Mustern und Reihen. Die Technikvielfalt der Künstler ist beeindruckend: Tempera, Acryl und Gouache wurden auf Papier und Leinwand aufgetragen, aber auch Ölpastellkreide, Aquarell und Buntstifte oder Tusche kamen zum Einsatz. Die Kreativität der Künstler, die zur Outsider-Art gehören, scheint unerschöpflich. Alle Bilder zeichnet eine fröhliche Grundstimmung aus, allein das Betrachten hebt die Stimmung. Die Begeisterung für die Künstlergruppe tausendgrün war Thomas Kruck, Vertriebsleiter der AOK Heilbronn-Franken, bei der Vernissage deutlich anzumerken. Er besitzt selbst mehrere Werke, unter anderem eines mit verschiedenen Blautönen, dem sein damals achtjähriger Sohn den Namen „Niagarafalls“ gab. „Ich finde das Konzept toll, dass die Künstler einen Großteil des Verkaufserlöses bekommen, um sich persönliche Wünsche zu erfüllen“, lobte er. Renate Fischer, Geschäftsbereichsleiterin der Diak-Behindertenhilfe, sagte: „Was ist ein Augenstern? Das Liebste, was man hat.“ So erlebe sie die Arbeit der Künstler in der Kunstwerkstatt. Hier können sie ihre schöpferischen Kräfte zum Ausdruck bringen, ihre Bildsprache weiterentwickeln und ihre Lust und Freude am Gestalten ausleben. Die Künstler geben ihrem Inneren eine Sprache und stärken sich selbst an der Kraft der Farben und ihrer Wirkung. Die Künstlergruppe wurde von Susanne Schmid gegründet, während ihres über zehnjährigen Bestehens hat sie bereits 24 Ausstellungen bestritten und nimmt aktiv am Kulturleben teil. Die Kunsthistorikerin Claudia Scheller-Schach, die in die Ausstellung einführte, hatte sich selbst bei einem Besuch in der Diak-Behindertenhilfe vom Schaffen der Künstler unter Assistenz der Kunsttherapeutin Gabriele Waldvogel ein Bild gemacht. „Ein öffentliches Bewusstsein für die Kunst von geistig behinderten Menschen gibt es erst seit den 1970er/80er Jahren, als in der Behindertenarbeit das Thema Kunst und Kreativität eine Rolle zu spielen begann“, so ihre kunsthistorische Einordnung der Outsider-Art. „Mit dieser Etikette bezeichnet man Kunst, die nicht im Hinblick auf ein Publikum, nicht mit Blick auf die Kunstszene oder gar den Kunstmarkt entsteht; es handelt sich um Werke, die ohne professionelle Schulung entstehen, also eine unverbildete Art von Kunst.“ Schon Jahrzehnte vor dieser Entwicklung waren es Künstler wie Paul Klee und Pablo Picasso, die vor dem Hintergrund der anbrechenden Moderne eine Vorliebe für solche Werke entwickelten. Sie erinnerte daran, dass  „die Suche nach dem Wesentlichen, die Versuche, zivilisatorische Verbildung abzuschütteln, die Sehnsucht nach kindlicher Naivität weite Teile der modernen Kunst kennzeichnet.“ Das Vokalensemble der Künzelsauer Musikschule rundete die Ausstellungseröffnung musikalisch ab und wurde mit begeistertem Applaus bedacht.

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